“Was meinst du was passieren wird?” Nicht ein Zittern, nicht ein Zucken mit der Wimper, nicht ein Schweißtropfen der ihm von seiner Stirn rinnt verrät die aufgestaute Angst, die er in sich trägt.
“Keine Ahnung, ich hab’s noch nie gespürt, ich lass’ mich überraschen.” Er verspürt keine Angst, er ist gespannt.
“Glaubst du es tut weh?” Er weiß seine Angst zu verbergen.
“Wer weiß?” In ihm staut sich ein Gefühl auf, ein sehr gutes Gefühl. Er hat ja keine Ahnung.
“Wie geht’s deiner Freundin? Hab’ sie lang nicht mehr gesehen” Er versucht, vom Thema abzlenken, fängt an über Belanglosigkeiten zu reden. Er hat begriffen.
“Och ja, der gehts prima, wir waren vorgestern mit ihrer besten Freundin am See und haben eine kleine Ruderfahrt unternommen, war wirklich schön. Ich glaube aber das war so ziemlich der letzte Sommertag, schade eigentlich, der Sommer war wirklich schön…Und was treibst du so?” Er lässt sich auf den Smalltalk ein. Er weiß nicht, dass es sich nicht um ein einfaches Spiel handelt.
“Das übliche, rumhängen und ein bisschen chillen aber im Moment ist die Schule echt stressig, Mathe, Physik und Chemie sind gerade echt nicht ohne und die Arbeiten lassen nicht mehr lang auf sich warten. Außerdem haben wir ja dieses Schuljahr wieder so unglaublich viel Mittagsschule, ich komme zu nichts mehr.” Er hofft, ihn vom vermeintlichen Spiel abgelenkt zu haben.
“Tja, schade…Ich hab’ gehört deinem Mädchen geht’s nicht so gut, was is’ da bei euch los?” Seine Spannung nimmt zu. Er kann es kaum mehr erwarten. Er hasst sich für seine Frage sie schiebt alles hinaus.
“Wie gesagt, hab’ viel zu tun…naja ich denk’ sie fühlt sich ein bisschen vernachlässigt, hab’ auch irgendwie ein schlechtes Gewissen aber was soll ich machen? Ich bin einfach ein bisschen überfördert aber das geht vorbei.” Er beginnt, sich in Sicherheit zu wiegen. Er ist entspannt.
Er hält es nicht mehr aus. Es muss jetzt raus. “Schwach…Du bist jetzt dran” Er beugt sich vor und schaut ihm in die Augen.
“Na gut” Er bricht in Schweiß aus. Seine hände beginnen zu zittern. Er dreht bedächtig den Zylinder bis er mit einem lauten Knacken einrastet. Er umfasst den Kolben. Er spürt die Kälte des Metalls. Er zieht den Hahn mit seinem weiß gewordenen Daumen zurück. Er benötigt all seinen Mut. Er versucht, an etwas schönes zu denken. An einen schönen Tag mit seiner Freundin. Zwecklos. Er legt seinen zittrig kalten Zeigefinger in den engen Bügel. Er drückt den Abzug.
Er schreit. Er stiert mit aufgerissenen Augen auf den Tisch. Voller Blut. Er sieht ihn an. Er sieht nur noch die blutige Hälfte seines Kopfes. Er rennt davon.
Falls euch dieser Text bekannt sein sollte, ich wurde inspiriert von “The Last Spin” von Evan Hunter. Da ich nur einen kleinen Teil (das Ende) von “The Last Spin” übernommen habe, stellt mein Text in gewisser Weise eine eigene Geschichte dar denn ihr Sinn und Zweck ist ein anderer. Wer zu meinem (oder zu Evan Hunters) Text eine kurze Interpretation schreiben möchte, der kann dies gern tun, ich wäre sogar sehr angetan davon.
kkthxbye